Kryptografische Befunde lassen Bachs d-Moll-Partita in neuem Licht erscheinen

Die Düsseldorfer Violinpädagogin Helga Thoene äußerte unlängst die Vermutung, der plötzliche Tod Maria Barbara Bachs sei der Anlass zur Komposition der d-Moll-Partita gewesen. Und nicht nur das: „Bach hat ihren Namen kryptografisch, also verschlüsselt in den Beginn der Ciaccona eingraviert“, enthüllt die Forscherin im Beiheft der CD »Morimur«. Darüber hinaus zeigt Helga Thoene, dass verschiedene Choralmelodien, die die geliebte Ehefrau so quasi musikalisch unsterblich machen sollen, als cantus firmus verschiedenen Abschnitten der Partita zugrunde liegen. Fast überflüssig scheint es, hinzuzufügen, dass dort sogar die Bachschen Namensbuchstaben wiederzufinden sind: sie  tauchen im chromatischen Abwärtsgang D-Cis-C-H-B-A auf. Wofür „D“ und „Cis“ stehen, erklärt die numerologische Expertin nicht; sollte es sich hier gar um eine Anspielung auf den zweiten Vornamen des jüngsten Bach-Sohns, P. „D.“Q. Bach, handeln; und bei dem Vater und Sohn quasi räumlich trennenden „cis“ um eine onomatopoeische Umschreibung des Verhältnisses zwischen ihnen beiden? Im Moment sind das Mutmaßungen, denen eine gründliche musikhistorische Quellenarbeit folgen müsste.

Auf der »Morimur«-CD kann der Hörer sich jedenfalls sein eigenes Bild von der Sachlage machen. Die Choräle „Christ lag in Todesbanden“, „Den Tod niemand zwingen kunnt“ und „Wo soll ich fliehen hin“ erklingen hier zuerst zwischen einzelnen Sätzen der Partita, bevor weitere Choräle erklingen, aus denen Bach in der Partita Phrasen zitiert. Helga Thoene macht das etwa an dem zugegebenermaßen nicht völlig zwingenden Beispiel von „Jesu, meine Freude“ deutlich: die auch im Choral verwendete absteigende Tonreihe A-G-F-E-D (dort zu den Worten „Jesu, meine Freude“) taucht ab Takt 88 (s.a. Breitbart et al.!) auch in der Ciaccona auf. Ob vielleicht die Melodie beider Werke, Choral und Ciaccona, bestimmten gestaltpsychologischen Strukturmerkmalen folgen, diskutiert Helga Thoene leider nicht.

Ein überraschender Umstand ist nun dem Autor beim erneuten Hören der Partita zu später Stunde vor Augen getreten. Drei den überraschenden Tod Maria Barbaras noch wesentlich treffender schildernde Melodien hat Johann Sebastian Bach in die d-Moll-Partita eingearbeitet, die Helga Thoene leider nicht erwähnt. Es handelt sich dabei um die heute auch im deutschsprachigen Raum tradierten Liedmelodien „As tears go by“, „Paint it black“ und „Satisfaction“. Die Hintergründe dieser erstaunlichen Erkenntnis sollen im folgenden ausgeführt werden, nicht zuletzt um den geneigten Leser von Slippedisc geistig zu erhellen, mehr noch in tiefer Verbeugung vor dem geschätzten Kollegen, dem letzten seiner Art.

Als Maria Barbara Bach 1720 in Köthen stirbt, weilt ihr Mann mit seinem Dienstherren, dem Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen, gerade im böhmischen Karlsbad bei einem Englisch-Kursus, den Bach neben einer Radiumkur nimmt, um endlich in das »Flow my tears« des bewunderten Zeitgenossen von der Insel ohne Musik, John Dowland, eindringen zu können. „It is the evening of the day“ – die ersten Worte des Liedes „As tears go by“ erleuchten die Tageszeit, zu der Bach wieder in Köthen eintraf; natürlich ist die Melodie hier in Moll umgeschrieben. Leichte Unsicherheiten im Vokabular sind noch zu konstatieren: hat doch„it is the evening of the day“ gewiss oxymoronische Qualität.

 

 

 

 

 

 

Tröstlich mag allemal für den bestürzten, nun bereits leidlich bilingualen Ehemann gewesen sein, dass alsbald „die Tränen versiegen“ (‚as tears go by‘). Eine fast apokalyptische Vision ist im zweiten Liedzitat verarbeitet: die scharlachrote Haustür, die  das Bachsche Wohnhaus in der Wallstraße bis zur Heimkehr Bachs schmückte, wurde alsbald von trauernden Nachbarn, die auch für das Begräbnis Maria Barbaras sorgten, schwarz gestrichen, worauf die Worte des kryptografisch ungemein geschickt eingravierten Liedes hindeuten: „I see a red door and I want to paint it black“.

 

 

 

 

 

 

 

Schließlich und endlich muss noch auf das bezeichnenderweise unvollendet eingearbeitete dritte Liedzitat, „Ich kann keine Befriedigung bekommen“, hingewiesen werden; im dritten Teil der Ciaconna ist die nicht weiter auszuführende Klage des Komponisten durch „Satisfaction“ numerologisch verschlüsselt.

 

 

 

 

Um diese neuen Erkenntnisse noch weiter zu unterfüttern, müsste nun eine grundlegende Analyse der Bachschen Partiten vorgenommen werden. In gänzlich anderem Licht ist jedenfalls auch der Fakt zu werten, dass die Notenumschriften der Namen Brian Jones (B-A-E-Es), Mick Jagger (A-G-G-E) und Keith Richards (C-H-A-D) in den Subtext der Partita eingearbeitet sind; ein unglaubliches Zeugnis der Bachschen Kunst und nach derzeitigem Wissensstand des Autors der musikhistorisch erste Fall überhaupt, da nicht nur der Name des Komponisten, sondern auch die Namen späterer(!) Interpreten in die Kompositionsstruktur eines Werkes eingeflossen sind.

NEUE BILDER VOM MENSCHEN

Im Verlag der Kunstagentur Dresden ist der neue PORTRAITS Katalog mit Fotografien aller 54 Ausstellungsteilnehmer erschienen:

Es’hagh Aghaei · Miia Autio · Katerina Belkina · Marc Brinkmeyer · Dominik Butzmann · Ulla Deventer · Anna Eckold · Alexander Endrullat · Arina Essipowitsch · William Farges · Frank Gaudlitz · Sonja Hamad · Matthew Hamon · Dominique Hille · Sandra Hoyn · Fred Hüning · Jens Juul · Karen Kling · Charlotte Krauß · Stefan Krauth · Antje Kröger · Karina-Sirkku Kurz · Astrid Lange · Pedro Lobo · Andreas Mader · Valery Melnikov · Joachim Müller-Klink · Monika Müller-Schauenburg · Hilde Pank · Mikhail Petrov · Jana Ritchie · Timo Rud · Mike Schaefer · Eric Schütt · Paola Serino · Deborah Sfez · Meir Shapira · Alina Simmelbauer · Sadegh Souri · Kerry Steen · Sergei Stroitelev · Maritza Studart · Ludwig Thalheimer · Heiko Tiemann · Luigi Toscano · Thomas Ulrich · Frank Verreyken · Tatiana Vinogradova · Kolja Warnecke · Thomas Weber · Janina Wick · Xu Xiaohan · Lana Yanovska · Alena Zhandarova

112 lose Seiten in Werkmappe, ISBN 978-3-9817866-2-0, 25,- EUR, zur Bestellung gehts hier.

Noch 9½ Wochen

Am 2. März findet die nächste große PORTRAITS Vernissage statt. Dieser Tage heißt es: Juryvorschläge sichten, Wildcards diskutieren, Ausstellungsgestaltung klären, Budgetpläne über den Haufen werfen... Heute haben Karen Weinert und ich die Satellitenausstellungen in der Innenstadt besprochen und letzte Details festgemacht. Ab morgen liefern dann die Fotografen ihre Werke beim verschneiten Festspielhaus an...

Am 2. März findet die nächste große PORTRAITS Vernissage statt. Dieser Tage heißt es: Juryvorschläge sichten, Wildcards diskutieren, Ausstellungsgestaltung klären, Budgetpläne über den Haufen werfen… Heute haben Karen Weinert und ich die Satellitenausstellungen in der Innenstadt besprochen und letzte Details festgemacht. Ab morgen liefern dann die Fotografen ihre Werke beim verschneiten Festspielhaus an…

Duett? Duell!

FacettenIn den vergangenen Wochen habe ich an meiner Satisfaktionsfähigkeit gearbeitet. Mein Duellpartner: Hans Werner Henze bzw. Evelyn Richter. Dank eines Abzugs aus der Sammlung Michael Junge sind Hans und Clara ab heute Abend bei Starkes im Atelier zu sehen. Über Henze-liebende Vernissage-Gäste würde ich mich sehr freuen!

Foto-Ausstellung »Duett–Duell«
des Forums für zeitgenössische Fotografie Dresden
Vernissage: 6. September 2016, 20 Uhr
Atelier Starke, Louisenstraße 6, 01099 Dresden
Ausstellungsdauer: 6. September – 10. Oktober 2016
geöffnet Mo, Di, Do, Fr: 10 – 18 Uhr, Sa: 10 – 13 Uhr

Wozu sind wir noch mal hier?

sneak peakInitiiert und finanziert vom www.musikfest-erzgebirge.de, erscheint im Sommer ein von www.knisterwerk.com bewährt genial gestalteter kleiner Gedichtband mit sechzehn neuen Gedichten von Steffen Popp (http://www.lyrikline.org/de/gedichte/elegie-fuer-k-4025#.Vw-TAJOdDdQ). Als Musikfest-Macher fragen wir uns: Wozu machen wir Kunst? Was macht Kunst mit uns? Und wozu sind wir eigentlich noch mal hier?

Steffen Popp wurde 1978 in Greifswald geboren und lebt heute in Berlin. Er verbrachte seine Kindheit in Dresden und besuchte dort eine naturwissenschaftliche Spezialschule. Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, später Literatur und Philosophie an der Humboldt Universität zu Berlin. 2004 erschien sein Gedichtband »Wie Alpen« bei kookbooks, Berlin, 2006 der Roman »Ohrenberg oder der Weg dorthin« im selben Verlag. Es folgten die Gedichtbände »Kolonie Zur Sonne« und »Dickicht mit Reden und Augen« sowie Übersetzungen englischsprachiger Lyriker.

Das Musikfest Erzgebirge findet vom 9.-18. September statt.

Bilder vom Menschen

PORTRAITS-Katalog-MiDIm Verlag der Kunstagentur Dresden ist der Ausstellungskatalog zum PORTRAITS – HELLERAU PHOTOGRAPHY AWARD 2016 erschienen. Er enthält Werke aller 65 Ausstellungsteilnehmer (112 lose Seiten in Werkmappe, ISBN 978-3-9817866-1-3, 25,- EUR, Bestellung hier).

Fotografen: Elena Anosova (1. Preis: 5.000 EUR) | Julia Autz | Thomas Bachler (2. Preis) | Antje Bakker | Irina Bittner | Anja Bohnhof (3. Preis) | Michele Brancati | Raluca Caragea | Urs Tilman Daun | Shae DeTar | William Farges | René Fietzek | René Gaens | Nele Gülck | Franziska Hauser | Frank Höhler | Birte Kaufmann | Alexander Klang | Christian Klant | Iwona Knorr | Marion Koell | Phillip Kortlang | Maximilian von Lachner | LAFAKE | Jennifer Loeber | Robert Ludewig | Flores, Gil & Mann | Stefanie Minzenmay (Residenzpreis) | Bernhard Moosbauer | Yvonne Most | Claudia Neuhaus | Silvia Otte | Ram Paudel | Polly Penrose | Carla van de Puttelaar | Andreas Reh | Daniela Risch | Timo Rud | Julia Runge | Ute Friederike Schernau | Charlotte Schmitz | Jo Schwab | Paola Serino | Michael Sharkey | Peggy Stahnke | Julia Steinigeweg | Anna-Lena Thamm | Ira Thiessen | Heiko Tiemann | Luigi Toscano | Andreas Uhlig | Julie van der Vaart | Mirjana Vrbaski | Aleksandra Weber | Yana Wernicke | Arne Wesenberg | Gerrit Wittenberg | Christiane Wöhler | Nicole Woischwill | Dominik Wolf | Noriko Yabu | Jean-Pascal Zahn | Anna Malina Zemlianski | Ida Zenna | Alena Zhandarova

Fazil Say – Konzerteinführung »Mesopotamia Symphony«

Der türkische Pianist und Komponist Fazil Say malt in seiner »Mesopotamia Symphony« ein großes und vielfarbiges Porträt der uralten Kulturlandschaft zwischen Euphrat und Tigris, die in jüngster Zeit so große Verwüstungen erleben musste. Says Tonsprache speist sich aus vielerlei Einflüssen, von der traditionellen arabischen Musik bis zu Techniken der europäischen Moderne.

Am 9. April 2016 erfährt die Sinfonie im Albertinum ihre Deutsche Erstaufführung. Die Konzerteinführung beginnt um 18.45 Uhr.